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Johann Georg Hamann → Johann Gotthelf Lindner
Trutenau, 16. und 20. Juli 1759
ZH I, 363




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Trutenau den 16 Julius 1759.

Herzlich geliebtester Freund,

Ich habe gestern Ihre liebreiche Zuschrift erhalten, und die Nachricht, daß
ein Packet von Ihnen gleichfalls zu Hause auf mich wartet, das durch 2 junge
Leute abgegeben worden, die vermuthlich aus Ihrer Schule kommen. Ich
denke morgen oder übermorgen von meinem Vater hier abgeholt zu werden.
An statt Scenen in der Natur zu meiner Aussicht zu haben oder zu machen,
liegen Hogartsche Zeichnungen zu Sirachs Haus und Sittenbuch um mich
herum, die meine Aufmerksamkeit von den ersteren abziehen. Ich würde
vielleicht in der gaukelnden Lüsternheit des Müßigganges hier ausschweifen ohne
diesen moralischen Kappzaum von Betrachtungen – über Familienhändel und
den Umgang meines Wirths mit unsern großen Mühlenbaumeister Dietrich.
Der letztere hat jetzt Wälder hinter Kaunen in Pohlen auf 6 Jahre gekauft
und ein Gut gepacht – Der erste Versuch hier in dieser Art. Weil unsere
Erfahrung (die im gewißen Verstande die wahre Philosophia atomistica ist)
durch dergleichen kleine Beobachtungen wächst; so will ich immerhin die
Augenweide des Landlebens etwas weniger hier genüßen.
Ich weiß, Herzlich Geliebtester Freund, daß ich Ihnen noch eine Antwort
in Ansehung meines Bruders schuldig bin. Da Sie jetzt selbst auf die Spur
kommen, ist es mir lieb mit wenigen mich zu erklären. Um Gedult Sie zu
bitten, würde vielleicht jenem andern, der Sie kennte, lächerlich vorkommen,
gleichwol habe ich es im letzten Briefe gethan, und thue es noch. Sein letzter
Brief ist sehr gut geschrieben; aber so künstlich und in Falten gelegt, daß die
Furcht und Scham einer Blöße sich durch seinen gesetzten Witz verräth, und
ich finde allenthalben Beweise von dem, was Sie mir sagen, und Spuren, aus
dem ich, wie der weise Memnon, merken kann, was für Ohren das Hündchen
trägt, das man sucht pp. Ich thue das beynahe in jedem Briefe, warum Sie
mich ersuchen – und ich werde mich näher erklären, da er mir selbst Anlaß
dazu gegeben. Weil ich aber auch den Verdacht bey ihm schon mehr als einmal
erweckt, daß ich mich zu viel um fremde Dinge bekümmere, und von dem
gemeinsten Lauf
der Dinge und Geschäfte nicht anders als übertrieben
denken kann: so thue ich durch dies Vorurtheil nichts als Fehlschläge.
Er schickte mir den Anfang des franzosischen Gespräches zu, das er auf
das Examen gemacht hatte und versprach mir die Fortsetzung davon; weil
er nicht Raum und Zeit gehabt hatte es in einem Briefe zu Ende zu schreiben.
Ich beurtheilte es, weil er mich darum gebeten hatte und zeigte ihm die
grammaticalische Fehler – und verwies ihm, daß er es Ihnen nicht vorher
zur Durchsicht gewiesen hätte. Er hat mir hierauf nicht ein Wort geantwortet
noch das übrige geschickt ohngeachtet ich ihn darum gebeten, und ihn in 2
folgenden Briefen mit aller möglichen Wendung und Munterkeit ein wenig Luft
und Freymüthigkeit zu machen gesucht hatte. Er hat an meinen Briefen sehen
können, wie bey den entferntesten Materien mir meine eigene Angelegenheiten
im Sinne liegen um ihn zur Nachahmung aufzumuntern, und ihm zu zeigen,
wenn uns unser Beruf am Herzen liegt, daß uns jede Kleinigkeit dazu rufft
und wir den geringsten Umstand zu kleinen Werkzeugen brauchen können.
Da Sie Amts wegen und aus Gewißens Pflicht, ja selbst aus Hausvaters
Recht und Freundschaft, so frey und rund mit ihm reden können, als Sie es
für nöthig fanden, da Sie ein Augenzeuge seiner Nachläßigkeiten und
Nebenwege sind, und im stande ihn alle Augenblicke auf der That zu ertappen; da
Sie übrigens die gute Meynung der Mäßigkeit und Lindigkeit für sich haben:
so werden Sie es mir um so viel weniger verdenken, wenn ich Sie ersuche sich
gegen ihn ernsthaft zu erklären, und ein wenig Gewalt dazu zu brauchen, um
ihn zur Selbsterkenntnis und Selbstprüfung zu bewegen.
Ich werde fortfahren aufrichtig gegen ihn zu seyn und Sie für alle die
Winke herzlich danken, die Sie mir von seiner Aufführung geben, solche auch
zu seinem Besten ohne jemandes Nachtheil anzuwenden suchen. Sein phlegma
und kalt Blut ist nichts als eine falsche Brustwehr seines Stoltzes und seiner
Beqvemlichkeit – und so gut Blendwerk als meine aufwallende Hitze.
Wenn unser Riechen nicht in der Furcht des Herrn ist: so wird der
gegründeteste Verdacht gegen unsern Bruder zum ungerechtesten Blutgerichte.
An statt ihn zu strafen verdammen wir uns selbst, und richten das Gesetz und
den großen Geber deßelben, denen wir doch selbst unterworfen sind. Nichts
als der Name Gottes und Jesu kann uns Recht, Herz und Glück geben, Vater
und Mutter und Bruder zu haßen, und sie im Glauben Abrahams Gotte
zu opfern.
Wenn wir mit Leuten Wahrheiten reden müßen, deren Vernunft von
Irrthum, Unwißenheit und Lüsten gefangen gehalten wird: so muß man sich
nicht schämen seine eigene Vernunft zu verleugnen und Wahrheiten zu
kollern, oder wie Solon im Unsinn Gedichte zu singen. Was kann ich mit
meiner Vernunft gegen einen Stoltzen, Wollüstigen und Habsüchtigen
ausrichten, da seine meiner allemal überlegen ist, weil der Arm der Leidenschaft
sie führt, und sie listiger, vorsichtiger, stärker und wütender als meine macht,
die als natürlich menschlich, schwach und nackt ist.
Doch, wenn wir des Leidens Christi viel haben – und gehört es nicht mit
zu seinen Leiden, daß Seine Brüder an diesen Mann der Schmerzen nicht
glaubten, und die Seinigen ihn nicht aufnahmen: so werden wir auch reichlich
getröstet durch Christum. – –

Königsberg den 20. h:

Ich habe Ihre liebe Mama Einlage an Mlle Steink eingehändigt. Ihr Herr
Bruder aus Curland hat mir geschrieben. Er steht jetzt in dem Hause sehr gut,
wie ich auch durch Baßa gehört, worüber ich mich herzlich freue. Ich habe
mich herzlich gewundert, daß man dort ein ander Wort in meinen Briefen
das nicht weit vom Adel gestanden, für Canaille gelesen, und darüber so böse
geworden; und muß Ihren HErrn Bruder für seine Treuherzigkeit ein wenig
auslachen, daß er sich diesen Einfall so heftig angenommen. Ich bin dergl.
Misverständniße schon gewohnter als er – Es war ein kützlicher Witz in
meinen Briefen, den weder Eltern noch Kinder verstehen, der aber freylich
am meisten auf ihren Hofmeister gemüntzt war, wie er es auch selbst bemerkte;
und wodurch seine Eitelkeit des witzigen Studierens und die unterlaßene
Anwendung davon zur Hauptsache, nämlich der Erziehung ein wenig
gestraft werden sollte. Ich nahm mir zugleich die Freyheit meinen Muthwillen
als eine Gelegenheit Ihnen an die Hand zu geben, sich an meinen eigenen
Bruder zu rächen auf gleiche Art.
Mein lieber Alter hat mir selbst ihr Packet herausgebracht, daß ich also
Ihre Rede noch in Trutenau lesen konnte. Die Exemplare sind vertheilt biß
auf Trescho, dem ich bey erster Gelegenheit seins überschicken will. Für
meins danke herzl. Einige freye Erinnerungen wag ich immer, die ich aber
nicht für gründlich halte, weil ich sie nicht aufmerksam genung habe lesen
können. Die Schulweisheit ist mehr per arsin als thesin erklärt – zu viel
Spott mit kleinen Thoren – voller Schulgelehrsamkeit: die Application
hat mehr Schulweisheit. Ich verstand anfänglich nicht, was Sie damit
wollten: Sie wären willens gewesen von etwas andern zu reden und
wünschte, daß Sie bey der Materie geblieben wären. Herr Berens erklärte
mir, daß sie einigen guten Freunden ihr Thema schon gesagt, daß es in Riga
ruchtbar geworden, und daher diese Entschuldigung für einige ihrer Zuhörer
nöthig gehabt, welche andere nicht verstanden, wie ich und auswärtige oder
fremde Leser. Herr Berens versichert mir, daß Sie den Endzweck eines
Redners
erreicht, zu gefallen und zu rühren. Und wenn Sie auch keinem
einzigen gefallen, auch keinen einzigen gerührt hätten: so gebe Gott, daß alle
Ihre Gehülfen und Kinder schulweise werden mögen – gleich den Lampen
der klugen Jungfrauen – die auch das Oel in ihren Gefäßen mitnahmen. Bist
Du nicht, gesitteter Diogen! (denn nach der Zergliederungs Sprache hast Du
so gut kleine Hundszähne als Du mir meine Hauer vorwirfst) – Bist Du
nicht selbst der Schulweise, den Du suchst – oder ist es der papierne Mensch,
den der Philosoph mit zerbrochenem Bein, wie Du, deinen Schulweisen
definirte und zeichnete – – Freylich müßen wir, wie Gott, klagen, daß unser
Wille nicht auf Erden wie im Himmel geschieht, und was wir in der
Ausdehnung unserer Ideen wünschen und wollen, durch die Nichtigkeit unserer
eigenen Kräfte, durch die Niedrigkeit unserer Hülfsmittel und Werkzeuge
vereitelt wird. Genung. Ich danke Ihnen für Ihre kleine Rhapsodie von
gelehrten Neuigkeiten. Für mich ist Saft und Mark genung darinn. Keine
Entschuldigung mehr von der Art für mich. Jedes Wort ist ein Urtheil für mich,
und jede Kleinigkeit, womit mich ein Freund unterhält unendlich kostbar.
Nicht das Gepränge, sondern die aisance der Empfindungen ist meine Sache;
und mit gleichen Gesinnungen wird Ihnen die Gedult mein Geschmier zu
lesen – wie ich mich schmäuchele – zu einem Zeitvertreib. Freundschaft –
unter jedem Contrast – Harmonie – die im Gebrauch der Dissonantzen
besteht und wie die Italiener halbe Töne liebt – das sind die Qvellen, die mich
so briefreich an Sie allein machen, unterdeßen ich andern, wie eine lybische
Wüste, auf den Scheitel und unter den Fußsohlen brenne – ohne Schönheiten
der Aussicht, und ohne Früchte weder der Sonne noch des Monds.
Wenn Sie die lyrischen, elegischen und epischen Gedichte nicht haben, die
zu Halle ausgekommen; so haben Sie das neuste in dieser Meße noch nicht
kennen gelernt. Ich schicke Sie Ihnen über auf Gerathe wohl. Besitzen Sie
solche; so könnten Sie selbige an HE. Carl Berens oder seine Mlle Schwester
anbringen; wo die nicht, soll sie mein Bruder Ihnen abkaufen. Die Gedichte
gehören zu Meisterstücken; in der Theorie ist der Verfaßer auf guter Spur
und überläuft beynahe seinen Liebling Batteux. Die Eitelkeit gleich Systeme
zu machen, und der verfluchte Mechanismus unserer neueren Philosophie,
die Ungedult seine Eyer auszubrüten und den Termin des Sitzens
auszuhalten, der zur Reife und Zeitigung der Natur gehört. Vorn sind Anmerkungen,
hinten sind Briefe. Die letzten wiederlegen und ergänzen zugleich die ersten.
In seinen Briefen ist eben der Fehler und πρωτον ψευδος das in den
Anmerkungen herrscht. Sie werden hier meine Beobachtung in einem Beyspiel
sehen, wie eine Reyhe neuer Begriffe eine neue Sprache hervorbringt. Ich
habe das Buch in einem Othem gelesen, daß ich mehr davon keichen als reden
muß. Sie werden selbst die Schwärmereyen und die üppigen Äste dieses zu
fruchtbaren genies ihrer Aufmerksamkeit würdigen.
Ich habe den ersten Theil des Nordischen Aufsehers durchblättert.
Klopstocks Stücke unterscheiden sich darunter und erheben allein das Werk. Eine
Ode über die Allgegenwart Gottes, die sich ohne einem heil. Schaudern nicht
lesen läßt. Es ist wahr, daß er ein eben so fürtreflicher prosaischer
Schriftsteller ist – Luther, Opitz und Haller ist sein deutsches Triumvirat. Gedanken
über die beste Art von Gott zu denken 1.) nach metaphysischen Begriffen
2.) in Betrachtungen 3.) in Begeisterung; als ein Sophist, Philosoph und
Christ oder Poet. Wundern Sie sich nicht, daß dies Synonima sind. Das
zweyte Stück von ihm sind Anmerkungen s über den poetischen
Ausdruck, Sprache oder Period. Lauson erschrack, daß so ein Geist wie Klopstock
auf den Ort Achtung giebt, wo eine so nichts bedeutende Interjection als das
Ach! ist, stehen soll. Dafür hat er heut erfahren müßen, daß er noch lange
nicht so viel als Gottsched von der Poesie versteht, den er so verächtlich
beurtheilt. Endlich hat er einige Betrachtungen über das Publicum gemacht,
näml. das Gelehrte, welches er in Richter und Kenner eintheilt, und worinn
er seine eigene Geschichte mit dem bescheidenen Stoltz eines Richters und
Kenners seiner eigenen Werke emblematisch erzählt.
Dies Publicum was für ein Protheus ist es? Wer kann alle die
Verwandlungen erzählen, und alle die Gestalten, unter denen es angebetet, und durch
die abergläubische Leser betrogen werden. Ein blessirter Officier, der für die
lange Weile – ich weis nicht was? lieset. Dies ungenannte sind die Briefe
die neueste Litteratur betreffend, die ich mit eben so viel Vergnügen gelesen,
als man einem Patienten kaum zutrauen kann, der seinen Arm in der Schärfe
trägt. Sollte aber wohl das Publicum von Richtern und Kennern dergl.
Einfälle billigen, die gar zu deutl. verrathen, daß nicht der Mann, an den
diese Briefe gerichtet sind sondern der Schriftsteller ein solcher temporair
Invalide
ist, der seine eigene lange Weile vertreibt – und seine gesunde
Urtheilskraft zur Lust oder aus eigennützigen Absichten, wie die Bettler, zum Krüppel
macht. Kein Bergmann wird durch diese Briefe gebeßert werden; der ist zu
tumm sie zu lesen; kein Wieland an seinem guten Namen viel verlieren,
vielleicht dadurch für sich und seine Leser oder Anhänger gewinnen – kein
Philosoph einem Witzling mehr zutrauen als einer privilegierten Academie.
Der wie Pythagoras den olympischen Spielen zusieht, hat so wenig Lust als
Geschick mitzulaufen; er sieht aber auch ohne Neid den Sieger und ohne
Mitleiden seine Nebenbuhler und sich selbst an.
Haben Sie Rachis im Kloster ein Schauspiel, in der Realschule
aufgeführt? Die Fabel und die Ausführung ist für gelehrtere Zuhörer, als dort
sind. Es gehört wenigstens in Ihre Schulbibliotheck. Es scheint mir mit zu
viel Fleiß und Sorgfalt geschrieben zu seyn, als daß es gefallen sollte.
Forstmann soll diesen May gestorben seyn – Seine erfreul. Nachrichten für
die Sünder sind nicht mehr, werden aber wieder verschrieben; alsdenn sollen
Sie selbige haben. Ich kenne keinen größeren Redner unter den Neueren.
Kein Wunder, was sind die Angelegenheiten eines Demosthenes und Cicero
gegen das Amt eines Evangelisten, eines Engels, der nichts weniger und
nichts mehr seinen Zuhörern zu sagen hat und weiß, als: Laßet euch versöhnen
mit Gott und sie mit der Liebe, mit der Gewalt, mit der Niedrigkeit dazu
ermahnet, als wenn er Christus selbst wäre. Und zu diesen königlich
priesterlichen Geiste wird d wie Petrus sagt, jeder Christ geweyht und gesalbt,
ein Prediger der Gerechtigkeit, ein Zeuge und Märtyrer der Wahrheit mitten
unter dem unschlachtigen und verkehrten Geschlecht der Sünder, hier wie der
König der Juden verworfen und mit Dornen gekrönt, dort Sohn und Erbe,
als Richter über die 12 Stämme, eine Krone der Herrlichkeit auf dem Haupte.
Dies sind Empfindungen, die mit zu denen gehören, an die sich, wie Klopstock
sagt, kein prosaischer Schriftsteller wagen kann noch darf. Wer kann Dinge
nachahmen, die durch keinen von den fünf Sinnen geschöpft werden können.
Dies sind Empfindungen, die in kein ander Feld gehören, als in die Poesie,
und in keiner andern als der Göttersprache allein ausgedruckt werden können.
Sie kommen aus dem Munde Gottes und gehen in Gottes Ohr zurück. Wie
das Opferfeuer des Herren vom Himmel fällt und gen Himmel steigt –
Gedanken, die der Christ im Schlummer und in den Träumen seiner Ruhe
mitten unter den Gefahren der Nacht und eines offenen Feldes – ungeachtet
des Steines, des harten Polsters wie Engel auf der Engel Leiter Jakobs
von Gott und zu Gott steigen sieht.
Den Begriffen des Klopstocks zu Folge besteht das physische Wachen in
demjenigen Zustande eines Menschen, da er sich seiner selbst bewust ist; dies
ist aber der wahre Seelenschlaf. Unser Geist ist nur alsdann wachend
anzusehen, wenn er sich Gottes bewust, ihn denkt und empfindt; und die
Allgegenwart Gottes in und um sich erkennt, wie die Seele eines wachende ihre
Herrschaft über den Leib und der Leib die Eindrücke eines geistigen Willens
ausdruckt. Ein Mensch der in Gott lebt wird sich daher zu einem natürlichen
Menschen verhalten, wie ein wachender – zu einem schnarchenden im tiefen
Schlaf – zu einem Träumenden – zu einem Mondsüchtigen. Ein tiefer
Schlaf ist dem Tode am nächsten ohne alles Nachdenken, ohne alle
Thätigkeit. Ein Träumender kann lebhaftere Vorstellungen als ein wachender
haben, mehr sehen, hören, denken als er; sich derselben bewust seyn, mit mehr
Ordnung träumen, als ein wachender denkt; ein Schöpfer neuer
Gegenstände, großer Begebenheiten. Alles ist wahr für ihn und doch ist alles
Betrug: Alles was um ihn vorgeht, derjenige der mit ihm redt, die Gefahr, die
ihn umringt, das Glück das auf sein Aufwachen wartet, ist ihm aber nicht
gegenwärtig und Nichts für ihn. Er sieht, er hört, er versteht nichts, in der
Theorie seiner Träume vielleicht unendlich mehr als der wachende an seinem
Bett. Der Mondsüchtige ist vollends das Bild eines praktischen, geschäftigen
Manns, der mit aller Vorsichtigkeit, Ueberlegung und Zusammenhang redet,
handelt, gefährlichen Unternehmungen mit mehr Sicherheit ausführt als er
mit offenen Augen thun könnte und thun würde.
Es giebt Träumende, die sich ausfragen laßen, und mit Verstand
antworten. Wenn ein wachender in diesem Fall es mit dem ersten versuchen möchte,
und ihn über seinen eigenen Zustand zu Rath früge: so wäre die
Verwechselung der Ideen sehr leicht, und das von sich selbst sagte, was den wachenden
angienge, und umgekehrt. Gesetzt, der wachende ließ in der Hitze das Wort
entfahren: Du träumst, lieber Freund. So könnte vielleicht ein großer
Wortwechsel zwischen diesen beyden entstehen – Ist jetzt die Frage, ob es wohl in
aller Welt möglich wäre, daß ein Wachender der Träumenden, so lange er
nämlich schliefe, davon überführen könnte, daß er schliefe? Nein – Wenn
Gott selbst mit ihm redte, so ist er genöthigt das Machtwort zum voraus zu
senden und es in Erfüllung gehen zu laßen: Wache Wache auf, der Du
schläfst –
Der erste Schlaf des ersten Menschen war eine Erfindung und Geschöpf
Gottes. – Es ist daher eine Unanständigkeit schlafende zu stören – und der
achtsame Freund und Liebhaber unserer Seelen beschwert die Töchter
Jerusalems, die bey den Rechen oder bey den Hinden auf dem Felde sind, eine
Seele, die seine Freundinn ist, nicht aufzuwecken nicht einmal anzurühren,
biß es ihr selbst gefällt. Der Träumer war der Sohn, an dem Jakobs und
Gottes Seele wohlgefallen hatte – und jeder Gefangene in Zion, den der
Herr erlöset, sieht wie ein Träumender aus – der Mund voll Lachens – die
Zunge voll rühmens: daß ihn die Welt nach einem lateinischen Sprüchwort
unter die Narren zählt oder wie einen Großprahler verachtet. Aber die
Mondsüchtigen, in die die wandelbare Gestalt und der Geschmack des Publici und
des Jahrhunderts und des öffentlichen Ruhms und Beyfalls würkt – Von
denen heist es: Ich der Herr bin Dein Artzt. Drey Krankheiten, mit denen er
sich am meisten abgab: die Beseßenen, die Mondsüchtigen, die Gichtbrüchigen
zählt Matthäus, und er machte sie alle gesund. Diese Gabe gesund zu machen
hinterließ er seinen Jüngern; sie hat nicht aufgehört, weil er versprochen hat
unter uns zu seyn und mit uns alle Tage biß an das Ende der Aeonen.
Melden Sie mir doch wie viel Ihnen la Science de gens de robe von
Massuet kostet? Ferner, wie es mit dem theologischen Examen meines Bruders
aussieht, NB aufrichtig, ist er abgewiesen worden, oder ist es ausgesetzt?
Ich wundere mich über Ihre Gleichgiltigkeit in Ansehung unsers
gemeinschaftlichen Freundes. Er besuchte mich den Tag nach meiner Rückkunft vom
Lande. Ich habe kein Mistrauen in Ihre Redlichkeit und Freundschaft, daß ich
nicht mein Herz in Ansehung Seiner ein wenig entledigen sollte. Mein Urtheil
über seine Verfaßung kann nicht richtig seyn, weil ich keine völlige Einsicht
von seinen hiesigen Absichten habe. Er beschuldigt mich, daß ich mir nicht zu
nahe will kommen laßen; und daß ist vielleicht seine eigene Furcht für sich
selbst, die ihn und jede ernsthaffte Untersuchung über unsere Angelegenheiten
entfernt. Ich zittere für seine Gesundheit – bey der jetzigen Jahreszeit arbeitet
er wie ein Taglöhner den ganzen Morgen in Papieren – den ganzen
Nachmittag in gesellschafftl. Zerstreuungen. Er hat in beyden eine Heftigkeit, der
ich nicht fähig bin, weil ich einen schwächlichern Leib und feigere Triebe habe.
Eine Legion von Zweifeln im Kopf, für deren Auflösung er sich fürchtet –
Die Weisheit hat sich ihm fürchterlich gemacht, weil sie sich unter ihrem
Schilde für ihn verdeckt; und dieser Schild, wie Sie wißen, trägt einen
Medusenkopf – Die Weisheit hat sich bey ihm verächtlich und lächerlich gemacht,
weil sie einen schlechten Geschmack und zu wenig Urtheil in der Wahl ihrer
Lieblinge unter den Vögeln zu erkennen s giesbt. Da er, wie ein artiger
Mann, den Göttinnen ihren Geschmack laßen sollte, wie die Götter den
Sterblichen hierinn ihren freyen Willen laßen.
Ein heimlicher Groll gegen mich, den der stärkere Genius unserer
Freundschaft in Feßeln hält – ein bitterer Gram um seinen hiesigen Bruder, den er
für verloren hält, und im Wiederspruch mit dieser Einbildung, retten will und
zu retten glaubt – – Bey so viel Schmerzen ist es kein Wunder, daß man seine
Tage im Wältzen und im Laufen der Hände zubringen muß, wie ein Kranker
seine Nächte – die halbe Nacht auf harten Matrazzen, und die andere Hälfte
auf stachlichten Rosen.
Gib Deinen Bruder auf: so bist du ruhig. Willst du ihn nicht aufgeben: so
glaube, daß er zu helfen ist und brauche die rechten Mittel: so wird Dir nach
Deinem Glauben geschehen und die Mittel werden geseegnet werden.
Bin ich Dein Freund: so denk, so handle wie ich, so folg mir nach – so
glaub, daß Gott mit mir ist, und wenn ich gleich wandele im finstern Thal,
wo Du und ich gleich viel sehen – Wer Gott im Gesicht sieht, wird der nicht
alles drüber vergeßen – Ist keine Schönheit, keine Güte in seinem Antlitze?
Willst du mein Feind seyn: so sey es von Herzen, und setz mich in den
Schuldthurm, in das Arbeithaus, wohin ich nach Deinem Urtheile gehöre.
Mach den Anfang zu reden und zu handeln. Ich will nicht der erste seyn,
ich will mich nach Dich richten – Wenn ich stoltz wäre, möchte ich nicht anders
handeln? Der Splitter des Stoltzes ist also nichts als das Bild des Sparrens,
was aus Deinem eigenen Auge in meins zurückscheint.
Wenn der Blinde im Evangelio zu seinem Artzt gesagt hätte: Meynst du daß
der Dreck, den Du von der Erde nimmst, und Dich nicht schämst mit Deinem
Speichel zusammen zu rühren – Bleib mir damit vom Leibe? hast Du nicht
mehr s Sitten gelernt – Meynen Sie, daß er sehend geworden wäre.
Ich besuchte ihn einen Abend, wo er in große Unruhe, die er mir immer ins
Gesicht leugnete, ohngeachtet er gegen den Lügengeist seines Bruders eyferte.
Ich suchte ihn damit zu beruhigen, daß Gott sich um unsere Wege bekümmere
und unserer am meisten auf krummen wartete und hütete. Er fuhr darüber so
auf, daß ich ihm unbegreifliche und unverständliche Einfälle vorsagte, daß
ich mich freute mit gesunden Gliedern die Treppe herunterzukommen –
Bey einem solchen Haß und erbitterten Gemüthe, über die unschuldigste
Worte, die mir in der Angst entfuhren, kann mir, Liebster Freund, freylich
bey seinem Umgange nicht gut zu Muthe seyn. Ich muß aus Furcht die
Thüren meines Herzens versiegelnchlüßen, und meinen Mund hüten und
versiegeln laßen, als wenn er das Grab eines Betrügers und Verführers
wäre. Ich muß mich, wie die ersten Jünger biß in das dritte Stockwerk meines
Witzes verkriechen, wo mir Gott die Gnade giebt Paulum zu hören, bey
deßen langen Briefen mancher junge munterer Kopf Christ, doch ohne
Seinen Schaden, sich des Schlafes nicht erwähren kann. Act. XX.
Ich weiß nicht mehr, Liebster Freund, welcher an den Erklärungen ihrer
Rhetorick alle Farben auslöschen, und sie dafür in reines Licht verwandelt zu
sehen wünschte – weil ihnenm in den meisten ein figürlich Wort und
uneigentliches Zeichen eines Begrifs zu seyn schiene. Wenn Sie diesen Fehler
an meinen Perioden, an einigen ausgesuchten, heben und ihnen das tropische,
das dichterische, und schwärmerische abschälen – sie in neue reine, flüßige
deutliche – aber nicht sinnliche, sondern bloß den Verstand überzeugende –
auch nicht pathetische und herzliche – sondern sanft küzelnde und die Oberhaut
des Herzens gleichförmig berührende Curialien übersetzen könnten: so wäre
dies ein recht freundschaftlich Sendschreiben an Ihren alten Zuhörer.
– – currente rota, cur vrceus exit?
werden Sie mir, liebster Freund, zulächeln. Wenn s Sie auch noch so
erträgliche Wahrheiten sagen, werden Sie mir vorwerfen, so kann Ihnen Ihr
Werk nicht anders als mislingen, daß Sie über kleine Neben-Dinge gern
Anlaß nehmen zu spotten – Nun so will ich mit über meine
Ungeschicklichkeit oder Unglück trösten. So geht es allen, die in Leim arbeiten.
Jedes Ding bey seinem alten Namen zu laßen, ist das sicherste. Wenn
Calligraphus nicht Collaborator geworden wäre: so wäre die Stelle
besetzt. Jetzt erwarten Sie vielleicht von mir Briefe eines Schönschreibers:
und ich schreibe so weitläuftig, flüchtig, selbst mit humor, als wenn es
AmtsSachen beträfe.
Das Publicum, der bleßirte Officier und ein guter Freund wollen vielleicht
auf gleiche Art amusirt seyn. – Unter den Bedingungen werde ich in Ewigkeit
kein Autor. Ich will lieber wie ein einsamer Vogel auf dem Dache leben und
mit David verstummen und still seyn, selbst meinen Freunden schweigen und
mein Leid in mich freßen. Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe, und
wenn ich dran denke, werd ich entzündet, ich rede mit meiner Zungen. Laß
sie daher gehen wie ihre Schemata, und sich viel vergeblicher Unruhe machen –
Bewahre mich, mein Gott, in dem Wort m Deiner Lippen – für
Menschenwerk – auf dem Wege des Mörders. Höre mein Gebet Herr! und vernimm
mein Schreyen und schweige nicht zu meinen Thränen; ich bin beydes so
wohl Dein Pilgrimm als Dein Bürger – wie meine Väter. Ich darf mich
meiner Ahnen und Familienchronick auch nicht schämen. Mein Alter läßt Sie
herzlich grüßen nebst Ihrer lieben HausEhre. Ich umarme Sie Beyderseits
und ersterbe mit der aufrichtigsten Hochachtung und Ergebenheit Ihr treuer
Freund.
Hamann.
Trutnau wenige Kilometer nördlich von Königsberg







H. ist nicht mit der Landschaft, sondern mit den häuslich-sozialen Verhältnissen des Ortes beschäftigt; er kannte das Werk von Hogarth wohl über
Hogarth, The analysis of beauty
.



Kappzaum »ein zaum der besonders jungen pferden angelegt wird, mit einem nasenbande und scharfem gebisz, um sie zu bändigen« (Grimm DWB s.v. Kappzaum)

Dietrich Besitzer des Guts Trutenau, wo es auch eine Papiermühle gab.











künstlich so auch schon der Vorwurf an den Bruder selbst: Brief Nr. 150 (ZH I 360/13)



Voltaire, Memnon
, dt. Übers. Memnon eine Morgenländische Geschichte, die Hündchen-Szene dort S. 14














Briefen Nr. 150 u. 151



















Furcht Jes 11,3










Solon in Plutarchs Solon-Biographie erzählt, in
Baumgarten, Uebersetzung der Algemeinen Welthistorie
so wiedergegeben (5. Tl., S. 163f.): »Das schändliche Gesetz, daß keiner bey Todesstrafe an die Wiedereroberung von Salamis denken solle, ging ihm [Solon] sehr zu Herzen; er faste daher eine Elegie ab, die aus hundert Versen bestand, die Gemüter des Volkes wider die Megarenser zu erbittern, welche ihnen diese Insel abgenommen hatten. Nachdem er die Elegie völlig in sein Gedächtnis gefasset hatte, lief er, als ob er unsinnig sey, mit seiner Nachtmütze auf dem Kopfe auf den Markt, stieg auf den Stuhl des öffentlichen Heroldes, und wiederholte mit grosser Heftigkeit die Elegie, die er aufgesetzet hatte, vor dem Volk, welches sich um ihn her versamlet hatte.«
kollern wälzen, wüten






Brüder Joh 7,5

Seinigen Joh 1,11




Steink nicht ermittelt




















arsin Hebung/Länge im Rhythmus; thesin Senkung/Kürze im Rhythmus











Lampen ... Mt 25,1ff.


Diogen ... Hundezähne
Diogenes Laertius
der Kyniker, ›Hundsphilosoph‹; vll. auch anspielend auf
Prémontval, Le Diogene de D’Alembert


papierne vll. vergeistigt, asketisch gemäß Epiktets Tugendlehre

Philosoph ... Bein Epiktet


Wille ... Mt 6,10, Lk 11,2



Rhapsodie Vortrag eines Gedichtes oder von Teilen einer/verschiedener Dichtung/en, die lose miteinander verbunden, aber nicht unbedingt aufeinander aufbauen.







Dissonantzen Im unten besprochenen Band von F. J. W. Schröder wird die ›Dissonanz‹ auch bemüht: »Deine Dissonanzen sogar sind nothwendig.«
Schröder, Poesien
, S. 8.

halbe Töne Chromatik bspw. im ital. Madrigal







Schwester
Catharina Berens



Batteux Schröder zitiert
Batteux, Les Beaux Arts réduits à un même principe
ausführlich in den »kritischen Anmerkungen über das Natürliche in der Dichtkunst,
Schröder, Poesien
, S. 4ff.
Eitelkeit ... Kritik Hs. an Schröder





πρωτον ψευδος Proton Pseudos, Grundirrtum



keichen keuchen



Cramer (Hg.), Der Nordische Aufseher
, der erste Teil enthält das 1. bis 60. Stück.




Klopstock, Von der Sprache der Poesie
, S. 223f.: »Es ist schon lange her, daß Luther die Deutschen durch die Art, auf welche er die poetischen Schriften der Bibel übersetzt hat, von dem Unterschiede der prosaischen und poetischen Sprache hätte überzeugen können. Aber sie haben von diesem grossen Manne überhaupt weniger gelernt, als sie von ihm hätten lernen sollen. Opitz hat sie nach ihm an jenen Unterschied von neuem erinnert; Haller noch stärker: allein sie scheinen noch immer daran zu zweifeln.«

Klopstock, Von der besten Art über Gott zu denken
, metaphysischen Begriffen ebd. S. 215f.

Betrachtungen
Klopstock, Von der besten Art über Gott zu denken
, S. 217f.; Begeisterung ebd. S. 219f.










emblematisch sinnbildlich

Publicum vgl. Titelblatt und ›Zuschrift‹ von
Hamann, Sokratische Denkwürdigkeiten
Protheus Proteus – vll. eine Verschreibung oder eine Variation, die ›Pro‹ und ›Theos‹ verknüpft. In
Hamann, Wolken
findet sich auch diese Schreibweise (N II S. 107/12, ED S. 65).


blessirter Officier der fingierte Leser (eigentl. Ewald v. Kleist) der Briefe die neueste Literatur betreffend, S. 3: »Der Herr von N** ein verdienter Officier, und zugleich ein Mann von Geschmack und Gelehrsamkeit, ward in der Schlacht von Zorndorf [Sieg der Armee Friedrichs II. über die Russen, 1758] verwundet. Er ward nach Fr** gebracht, und seine Wundärzte empfohlen ihm nichts eifriger, als Ruhe und Geduld. Langeweile und ein gewisser militarischer Eckel vor politischen Neuigkeiten, trieben ihn, bey den ungern verlassenen Musen eine angenehmere Beschäftigung zu suchen. Er schrieb an einige von seinen Freunden in B** und ersuchte sie, ihm die Lücke, welche der Krieg in seine Kenntniß der neuesten Litteratur gemacht, ausfüllen zu helfen. Da sie ihm unter keinem Vorwande diese Gefälligkeit abschlagen konnten, so trugen sie es dem Herrn Fll. auf, sich der Ausführung vornehmlich zu unterziehen. Wie mir, dem Herausgeber, die Briefe, welche daraus entstanden, in die Hände gerathen, kann dem Publico zu wissen oder nicht zu wissen, sehr gleichgültig seyn ...«



Schärfe Schärpe




lange Weile vgl. Titelseite von
Hamann, Sokratische Denkwürdigkeiten


Kein Bergmann
Christian Gottlieb Bergmann
;
Gotthold Ephraim Lessing
hatte dessen Übersetzung von
Bolingbroke, Letters on the study and use of history
im 4. der Briefe die neueste Litteratur betreffend kritisiert und im 30. wiederum dessen uneinsichtige Antwort.

Wieland
Christoph Martin Wieland
war vor allem im 7. bis 14. der Briefe die neueste Litteratur betreffend im Visier der Kritik Lessings.


Academie Insbesondere ging es in der Kritik Lessings um die Akademie-Pläne in
Wieland, Plan einer Academie
und deren Bezug auf griechische Philosophie (10. bis 14. der Briefe die neueste Litteratur betreffend).









sind nicht mehr ... im Handel erhältlich



Amt eines Evangelisten 2 Tim 4,5
Engels Gal 1,8

versöhnen 2 Kor 5,20


ermahnet ... 2 Kor 5,20
königlich ... 1 Petr 2,9



verkehrten Geschlecht Phil 2,15

Erbe Mt 21,38
gekrönt Mt 27,29

Herrlichkeit Joh 1,11, Röm 8,17

vll. mit Bezug auf diese Stelle:
Klopstock, Dem Allgegenwärtigen
(Der nordischer Aufseher, 44. St., S. 390): »Es giebt Gedanken, die beynahe nicht anders als poetisch ausgedrückt werden können; oder vielmehr, es ist der Natur gewisser Gegenstände so gemäß, sie poetisch zu denken, und zu sagen, daß sie zu viel verlieren würden, wenn es auf eine andere Art geschähe. Betrachtungen über die Allgegenwart Gottes gehören, wie mich deucht, vornämlich hierher.« Oder auch diese:
Klopstock, Von der Sprache der Poesie
(Der nordischer Aufseher, 26. St., S. 224f.): »daß es Gedanken und Empfindungen, oft nur einen gewissen Grad, eine Wendung, eine Art Ausbildung derselben gibt, die allein in der Poesie, und andre, die nur in Prosa gebraucht werden müssen«




Göttersprache 1 Kor 2,13


Opferfeuer 3 Mo 9,24 u.ö.

Schlummer ... zu Gott steigen sieht 1 Mo 28,10ff.






ist aber Dies nicht gegen, sondern mit Klopstock:
Klopstock, Von der besten Art über Gott zu denken
(Der nordischer Aufseher, 44. St., S. 213): »Das wirkliche Wachen wäre derjenige glückliche Zustand unsrer Seele, da wir entweder Gott denken; oder etwas, das Gott geboten hat, und zwar weil er es geboten hat, thun.«




natürlichen Menschen 1 Kor 2,14


























Wache auf ... Eph 5,14





Rechen Rehe; Hinden Hirschkühe





Sprüchwort nicht ermittelt

























Weisheit Athene














































welcher Kritiker, Rezensent von Lindners Schreibart. Fr. K. Gadebusch berichtet in Livländische Bibliothek, 2. Tl. (Riga 1777), S. 186: »Als diese Anweisung in dem 106. Stücke der berlinischen Zeitung 1755. nicht nach des Verfassers Sinne behandelt wurde, vertheidigte er sich im hamburgischen Korrespondenten.«








Curialien Titel, Anredeformen, formelle Schlusssätze etc.

Zuhörer von Lindners Vorlesungen über Rhetorik in dessen Magisterzeit (1750–1753), vgl. Brief Nr. 155 (ZH I 389/28).

Hor. ars
22, »Amphora coepit / institui; currente rota cur urceus exit?« / »Die Amphore beginnt getöpfert zu werden; warum verlässt sie die drehende Scheibe als Wasserkrug?« Der Vers wird oft angefüht als Sinnspruch für die Notwendigkeit der rhetorischen oder poetischen Disposition.





Leim Lehm


Collaborator Mitarbeiter











Bewahre ... Mörders Ps 17,4

Höre ... Väter Ps 39,13








Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 2 (40).

Bisherige Drucke:
Friedrich Roth (Hg.): Hamann’s Schriften. 8 Bde. Berlin, Leipzig 1821–1843, I 409–423.
ZH I 363–373, Nr. 152.

Textkritische Anmerkungen:
Der Brieftext wurde anhand der überlieferten Quellen (vgl. Provenienz) kritisch geprüft. Notwendige Korrekturen gegenüber dem in ZH gedruckten Text wurden vorgenommen und sind vollständig annotiert. Die in den beiden Auflagen von ZH angehängten Korrekturvorschläge werden vollständig aufgelistet, werden aber nur dann im Text realisiert, sofern diese anhand überlieferter Quellen verifiziert werden konnten.
364/7 jenem andern
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies jedem  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): jedem andern
365/35 Witz in
Geändert nach Druckbogen (1940); ZH: Witz iu  Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies Witz in Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): Witz in
368/9 Schärfe
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies wohl Schärpe
369/33 gefährlichen
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies gefährliche  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): gefährliche
372/29 ich mit
Korrekturvorschlag ZH 1. Aufl. (1955): lies ich [mich] mit  Korrekturvorschlag ZH 2. Aufl. (1988): ich [mich] mit