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Johann Georg Hamann → Johann Christoph Hamann (Bruder)
Riga, 16. September 1758
ZH I, 253


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Mein lieber Bruder,

Beyliegende Briefe bitte an die Frau Consistorial Räthin zu bestellen;
Selbst wo möglich. Du bist unserm Freunde Ihrem Sohne viel schuldig.
Wenn Du schwarz Siegellack hast, schlüße beyliegenden Trauer Brief zu
und gieb ihn gleichfalls seiner Mutter ab. Beschleunige, so viel Du kannst,
Deine Ueberkunfft. Bringe mir du Bos reflexions mit, die Du aus Lübeck
erhalten haben wirst. Versiegele beyliegenden Brief an Vetter Nupp. v
befördere ihn. Ich wünsche baldige Antwort und Nachricht von HErrn von O.
Er ist unser gemeinschafftl. Freund gewesen.
Du wirst mir einen Gefallen thun wenn Du alle meine LautenBücher
besonders die LiederBücher mit bringst – – Mache alles in Ordnung, was Du
nachgeschickt haben willst. Vergiß vor allen nicht den Seegen Deines Vaters
mitzunehmen. Er gehört zu Deinen Beruff und künfftigen Glück. Verqvackele
Dich in nichts. Thorheiten im Herzen bringen Grillen im Kopf hervor. Ich
schmachte nach dem Glück Dich zu umarmen; und hoffe Dich als einen Bruder
zu finden, der offenherzig und freundschafftlich mit mir umgehen wird. Wenn
Du mit mir und meinen Freunden vertraut leben willst, so wirst Du dich ein
wenig absondern. Ob Du Dir dies willst gefallen laßen, kommt lediglich auf
Dich an. Weder ich, noch jemand anders wird Dich zwingen. Mündlich wills
Gott! ein mehreres.
Ich möchte gern Xenophons deutsche Uebersetzung von einigen seiner
politischen Abhandlungen mitgebracht haben. Erkundige Dich im Buchladen von den
Einkünfften Athens, der Pferdezucht pp. Mein Wirth wünscht selbige zu haben.
Vergiß nicht Shafftesbury v Pluche zu ergänzen, ehe Du abgehst. Laße
nichts in Unordnung. Schreibe vor Deiner Abreise und melde uns den Tag
und Fuhrmann. Gott begleite Dich und sey Euch und uns allen gnädig. Ich
ersterbe Dein treuer Bruder.
Riga den 16. Sept.1758.
Hamann.


Herr Rector L. hat mich heute zweymal besucht und speist mit uns. Er
nebst meinen Freunden grüßen Dich und bitten Dich zu eilen. Lebe wohl und
grüße alle gute Freunde von mir bey Deinem Abschiednehmen. Ich wünschte
Wolson zum Gesellschaffter meines lieben Vaters. Umarme ihn und sage
ihm das in meinem Namen, mit Bewilligung unsers Vaters. Wenn sich keiner
findt, so wird sich Gott Selbst Seiner desto mehr annehmen. Lebt die ehrl.
Jgfr. Degnerinn noch?

Briefe nicht überliefert
Consistorial Räthin Mutter der Lindner-Brüder

Sohne
Johann Gotthelf Lindner
, dem künftigen Vorgesetzten



Lübeck wo Hs. Sachen aus London zwischengelagert waren

Nupp. die Mutter Hs. kam aus der Fam. Nuppenau
Brief nicht überliefert






Verqvackele unnütz vertun










Wirth
Carl Berens














Veränderte Einsortierung:
Die Einsortierung wurde gegenüber ZH verändert (dort: „[Riga, 16. (27.) September 1758“]), sie erfolgt chronologisch zwischen Brief Nr. 116 und 117.
Provenienz:
Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1940. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], I 1 (46).

Bisherige Drucke:
ZH I 253–253, Nr. 116.