610
250/29
Drubenalken den 18 Dec. 1780

30
Lieber Bester Vater Haman! Vergeben Sie, daß ich so lange gezögert habe

31
Ihren letzten Brief zu beantworten. Die Recken und Hinz sind daran schuld

32
mit denen zanken Sie. Von der ersten habe ich izt erst die Beschreibung vom

33
Prinzen und seinem Gefolge erhalten (: hie ist ihr Brief lesen
ihn
sie ihn

S. 251
selbst, und schicken Sie ihn mir so bald als möglich zurück:) und den letzten,

2
habe ich izt vor drey Tage erst gesprochen, obgleich er nur 2 Meilen von hir

3
entfernt ist. Ich wolte durchaus er solte an Sie schreiben; er sagte mich aber ich

4
solt Ihnen sagen er liebt Sie herzlich, aber das lesen und schreiben hätte er

5
auch so ganz vergessen, daß er an keinen Menschen mehr schreiben könte, und

6
dann ginge es ihm so wie Ihnen, er hätte das Podagra in Händen oder er

7
fühlte, daß er es bald bekommen würde. Er ist noch viel stärker geworden, er sagte

8
mich er würde den ganzen Buchhandel zum teufel werfen, den er verlieret über

9
30000 fl. daran und er würde künftig oder noch künftig Jahr mit seinen

10
ältesten Untergebenen aus dem Lande gehen. Ich gab ihm Ihre Beyde Briefe

11
an mich zu lesen; er hüpte vor Freuden, und zeigte einige Stellen daraus

12
HE. von Firks 2 zimlich kluge Männer, die mit in der Geselschaft waren, die

13
sich mit ihm darüber freuten, und Sie bewunderten. Hinz sagte „Es ist doch

14
ein sehr lieber Mann unser Hamann, wir wollen uns zusammenfreuen, daß er

15
unser Freund ist, und uns seiner Freundschaft würdig machen, grüßen sie ihm

16
herzlich von mich.“ Und so trenten wir uns. –
Und
Dieses ist alles was ich

17
Ihnen von Hinz sagen kann. – Nun will ich Ihrem mich sehr lieben letzten

18
Brief beandworten. – Ihre Einlage schickte ich sogleich zu Pathey dieser und

19
die Recken haben auch schon einige Prenumeranten gesammelt. Sie haben

20
mich beyde aufgetragen, Ihnen ihrer Freundschaft zu versichren. – Izt werden

21
Sie schon mehr von Ihrem Nachtbar zur Rechten wissen. hat er sich scheiden

22
lassen oder nicht? hat er die Stelle schon ersetz? Die Wahl wird ihm nicht schwer

23
fallen den ihres gleichen findet er in allen B., wenn nicht in Königs. so in

24
Berlin. – Ich bedaure die Kinder,
daß
weil keine Besen mehr zu haben

25
sind, und die große Leute weil sie nicht mehr sagen können. Kommen Sie zu

26
uns, hir sind viele Besens, aber keine Galgen. Wie könte ich Sie
in
Bester

27
Hamann, in Ihrer Schlafmütze in Ihren Sorgstuhl vergessen! Wie oft habe

28
ich Sie in diesen Aufzuge gesehen, und frohe und lehrreiche Stunden bey Sie

29
zugebracht! – – Ihrer lieben Hausmutter und lieben schönen Kinder küsse

30
ich herzlich. – Gott lasse Ihnen alle, das alte Jahr froh und gesund schließen,

31
und schenke Ihnen und den Ihrigen im neuen Jahr was zu Ihrem Wohl

32
dienet, und erhalte Sie mir als Freunde. – Den Würdigen Professor

33
Kreutzfeld, den Würdigen Brahl und HE. Löwen meinen besten Empfehl. Wie gehet

34
es Brahl mit seiner Muße? – Nun Bester Vater leben Sie wohl leben Sie

35
glücklich. Ich küsse Sie herzlich, und bin Ihre Wahrhafte Freundin

36
Stoltz


37
In der größten Eile der Schlitten stehet vor der tühre um auszufahren. –

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 29.

Bisherige Drucke

ZH IV 250 f., Nr. 610.