577
158/21
Kgsberg den 26 Jänner 80.

22
Liebster Freund,

23
Am heil. Abend des Krönungstages wurde ich mit Ihrem Briefe u einem

24
aus Morungen erfreut. Einl. an HE Müller schickte sogl. fort und dem HE

25
v Auerswalde brachte ich die andere, der unpäßlich lag und vor Freuden aus dem

26
Bett fahren wollte. Ich hoffe daß Sie meine Antwort vom 2ten über Weimar

27
auch richtig werden erhalten haben, vielleicht auch mit einem Exemplar von

28
Konxomp.
wenn Er noch eins übrig hat. Wo nicht so warten Sie bis zur

29
andern Auflage und tragen im Nothfall auch was dazu bey. Mein Gevatter

30
ist so grosmüthig gewesen mir auf meinen Wink
Georgi Alph.
zu überschicken;

31
das Päckchen liegt aber noch durch Schuld des Esels Hartungs vermuthlich

32
in Leipz. Bin ich in eigenem Suchen nicht glücklich: so würd ich bitten daß

33
Sie an
Büttner
den
Panglott
en
appelli
rten – wozu aber nicht in Ihrem

34
eigenen Namen? Noch an demselben Staatsfeste lief zu einer Stunde, wo der

S. 159
Bischoff im
Auditorio
war, zur
Cousine
und macht es wie die
Schlange im

2
Paradiese
– ich ließ ihr in die Karte gucken – unterdeßen ich hinter den Fächer

3
schielte. Auch ein Wort über diesen Punct zu verlieren: so entfern ich mich

4
soviel ich kann von den Freunden des Mannes, dem ich rathen möchte
in puncto

5
der Autorschaft mehr ein Nachfolger des
Z.
als Sie zu seyn. Meines Wißens

6
hat er schon seine
Symbolas
dem Mäcenen dedicirt. Alles übrige Ihrer Briefe ist

7
für mich heilig. Kreutzfeld erholt sich u Brahl hat selbst geantwortet. Daß er

8
auch vom Minister eine erhalten, habe schon gemeldt. Die Zeit wird ihm lang.

9
Er hat gegenwärtig einige Aspecten zu einer Vacanz. Könnten Sie etwas bey

10
der gegenwärtigen Lage zu seiner Empfehlung durch die dritte Hand bey

11
Launay
oder
Morinval
oder dem Minister des
Departement
v Görne der hier

12
selbst erwartet wird beytragen, so käm es zu rechter Zeit. Der ganze Schritt mit

13
seinen Gedichten die er auf seine eigene Kosten drucken laßen, war ein
faux-

14
pas;
der ihm weder geschadet noch geholfen, vielleicht doch helfen kann
par

15
recul;
denn unser Glück hangt selten von den Maasreguln unserer Klugheit

16
ab. Er schreibt gegenwärtig die gelehrte Articul, denen
D.
Crichton feyerlich

17
entsagt seit Neujahr bis Februar wo K. Rath zu schaffen versprochen, Gott

18
geb auch That. Er ist jetzt mit obigem Esel in Unterhandl. seinen Laden zu

19
verkaufen. Weh unserm ganzen Publico das bey seinem gegenwärtigen
Monopol

20
schon gnug leiden muß, weil nichts bey ihm zu haben ist. Ich bin dies Jahr

21
noch in keiner Kirche gewesen u besuche blos jemanden im grösten Nothfall.

22
Ihrer Gräfin habe am heil. 3 Königstage sitzen müßen als ein Beytrag zum

23
Buch des Lebens – werde allso Gelegenheit haben nächstens Ihr Anliegen

24
anzubringen.
Maran athée?
– Sie meynen vielleicht
Maran athan.
Ich kann

25
mich auf jenes Wort nicht besinnen, noch auf den Zusammenhang. Ob ich

26
eine Spinne gesehen? Den Gruß an Cr. R. schriftl. mitgetheilt.
Mlle
St. denkt

27
diesen Winter abzureisen. Ihre
Eleve
ist gegenwärtig Herzogin von Curl.

28
hat aber den Glückwunsch ihrer
Labonne
noch nicht beantwortet. Bin gestern

29
mit einem Fäßchen
Caviar
vom ehrl. Hartknoch erfreut worden, welches

30
beynahe gantz mit meinem vierspännigen Wagenthron verzehrt. Alle meine

31
Kinder lecken dran wie die Ygel. Marianchen geht schon seit dem 14 allein, ohne

32
Leitband u Fallhütchen. Brahlchen wird Sie bey Käthchen Lehnchen

33
ausstechen, wenn Sie nicht bald zurückkommen. Ich arbeite an
zwey Scherflein

34
zur neusten deutschen Litteratur
. Der arme Benzler hat Weib u Kind

35
verlaßen u ist Mönch geworden. Am Krönungstage besucht mich ein Sohn des

36
Pleßing, der von der Abgötterey geschrieben. Weder P. von Anhalt noch Pr.

37
von Thorn – sondern ich weiß selbst noch nicht was. Er hat dort studiert u

S. 160
hier eine Predigt mit 2
Dedication
en u 2
Abhandl.
Beylagen drucken laßen,

2
u
ist
auch Verf. einer franz. Schrift über die Abstraction. Wie geht es mit Ihrer

3
Schwangerschaft? wird es bald von den Monden zu den Wochen kommen.

4
Fehlt es Ihnen an einer
Sage-femme:
so schicken Sie nur einen Wechsel zu

5
den Reisekosten – denn auf einem Besenstiel oder
D.
Faust Mantel erlaubt

6
mir nicht mein Schwindel. O daß ich hätte Flügel der Morgenröthe und mit

7
meinen Scherflein zu Ende wäre! Leben Sie wohl und denken Sie bald wider

8
schriftlich an Ihren alten ergebenen Freund und Diener

9
Johann Georg Hamann
et Comp.

10
Der dolle Greeke †††


11
Auf der Adreßseite:

12
Eben nach Zumachung dieses erhalte Ihre Einlage durch
Asmus
dem ich die

13
Execution
aufgetragen. Es ist ein rechtes
Billet-doux
von Einem

14
εαυτοντιμωρουμενῳ
. Seyn Sie kein Separatist menschlicher u akademischer Gesellschaft

15
und halten Sie Ihren Husten für keinen Propheten als
a. c.
Halten Sie Wort

16
und machen Sie es wie ich, sich in
Transpiration
zu schreiben, ohne sich um die

17
Aufnahme oder das Schicksal Ihrer langen oder kurzen Briefe zu

18
bekümmern.
Dixi, scripsi et liberaui animam meam,
das heißt, ich habe mir Luft

19
gemacht. HE
Lieut. Bohm
hat Sie als einen feinen und gesunden Mann

20
beschrieben, und Gevatter
A
giebt Ihnen das Zeugniß,
daß, wenn Sie die

21
Addresse
Selbst geschrieben, Ihre Hand
passable
wäre. Sie erinnern

22
sich noch seiner
sesquipedali
schen Buchstaben.

23
Noch bringt mir Br. einen freundschaftl. Gruß von Ihren Pflegeltern in

24
der Langgaße, der weil er nicht eingeschloßen werden kann, aufgeklebt werden

25
muß. Der
Ex-Cour. Sch.
liegt dort auf Ablager weil sein junger Graf vor

26
ein paar Tage gestorben.


27
Adresse mit Mundlackrest (Kopf des Sokrates nach links):

28
à Monsieur / Monsieur Kraus / homme de lettres / à
Goettingue
. /
par

29
faveur
.

Provenienz

Druck ZH nach den unpublizierten Druckbogen von 1943. Original verschollen. Letzter bekannter Aufbewahrungsort: Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg, Msc. 2552 [Roths Hamanniana], II 3.

Bisherige Drucke

ZH IV 158–160, Nr. 577.